Unmöglich extrem. Das neue Tush Nr. 41

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Unmöglich extrem, Tush-Magazine, Nr. 41, S. 179-181

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Unmöglich extrem. Das neue Tush Nr. 41

Happy Birthday

He is the Godfather of Zines. This monument, which as such belongs to the highest forms of street-art, shows him in all his pride, presenting his first little paperbook, which he was doing from scratch. He invented this kind of communication to proof, that information never gets lost. During his life-time he was a real punk, a failed genius, symbolized by the two erased fingers of his right hand, invented by him as a very special gesture still in use. Nowadays we take him as an extraordinary man and follow him as a true and virtious example of our race – btw. 2Pac took this gestures and even George Bush, when he travelled to Australia to greet the Australian people.

GVZ

Happy Birthday

Besuch in der Sammlung Schauwerk / Sindelfingen

SchauwerkVor Kurzem waren wir im Schauwerk / Sindelfingen zu Besuch. Viel moderne Kunst in einer ehemaligen Werkhalle. Großzügige Räume, viel Platz für die bald minimalistischen Kunstwerke. Den zurzeit in einem eigenen Schauraum installierten Gormley konnte man absurderweise nur über eine Absprerrung anschauen, obwohl zwei Leute von einer Wärterin begleitet wurden. Die Führung zur aktuellen Ausstellung Ladies First, gespeist aus dem Bestand der Sammlung, war kenntnisreich, wenn auch etwas kopflastig.

Bedauerlich finde ich, dass zeitgenössische Arbeiten es offenbar nötig haben, sich nicht allein in ihrer sinnlichen Präsenz zu entfalten. Vielmehr bedarf es Hinweisen jenseits des vor Augen Stehenden, um überhaupt gesehen zu werden. Schade, denn es sollte die Gegenwart allein ausreichen, um sich als symbolisches Rätsel anregend, verspielt und gedankenreich zur Schau zu stellen. Entmündigung findet offenbar auch in der Kunst gegenüber ihrer Betrachter statt; oder ist das eine Folge der Präsentation?

Besuch in der Sammlung Schauwerk / Sindelfingen

Protokoll Treppengespräch mit Daniel Glaser – kounterpart

DSCN4908Das gut besuchte Treppengespräch dauerte über eineinhalb Stunden und befasste sich mit den Arbeiten von Daniel Glaser, alias kounterpart, und ihren Entstehungen. Glaser berichtete von seinem Interesse an parcel-tags, an ihrer gleichsam unsichtbaren Allgegenwart. Er sammelte sie, schaute sich an, wie sie auf Paketen und Briefen angebracht sind, fotografierte sie schließlich. In einem nächsten Schritt bearbeitete er die entstandenen Bilddateien, um diese abschließend analog umzugestalten. Er hat beispielsweise die Fassade vom complex23 mit einer Wandmalerei versehen, die das Haus nun mit einem parcel-tag beklebt wie ein Paket wirken lässt. Innen stellte Glaser gefaltete Papierobjekte von digital modifizierten Postaufklebern aus sowie Fotos von deren Projektionen auf Papier, am Bildschirm. Zentrales, ästhetisches Anliegen von Glaser ist es, grafische Texturen mit haptischer Anmutung zu erzeugen.

Im Focus der Diskussion stand der digitale Zwischenschritt. Glaser ließ nämlich die entstandenen Bilddateien nicht von einem Bildverarbeitungsprogramm sondern von Text- oder Audioprogrammen lesen und erstellte so Visualisierungen oder akustische Ereignisse, die auf sinnlicher Ebene nichts mehr mit den parcel-tags zu tun haben.

Zwei Aspekte wurden in der Diskussion besonders deutlich angesprochen: zum einen macht Glasers Verfahren sichtbar, dass eine Datei für sich erst einmal nichts anderes bedeutet als sie selbst, denn die Textinterpretation einer Bilddatei enthält ja die gleichen Informationen wie die Audio- oder die Bildinterpretation. Nur können Betrachter bei den ersten beiden Verfahren – Text und Audio – die Darstellungen nicht mehr ‚lesen‘ (s. Abb.). Eine sinnvolle, sinnlich wahrnehmbare Information ist für den Menschen getilgt. Damit entzieht Glaser den Dateien ihren Informationsgehalt für uns und schafft dabei gleichzeitig so etwas wie Bedeutung, die sich allerdings nur im analog-Ästhetischen entfaltet. Den entscheidenden Schritt bei der Transformation von digitaler Information zur ästhetischen Bedeutung vermittelt das spielerische Eingreifen des Künstlers, der Rechenprozesse gleichsam aus dem Bauch heraus willkürlich anhält, modifiziert und das Ergebnis in völlige andere Produktionsprozesse, wie etwa die entstandene digitale Visualisierung mit einem Beamer auf ein zerknülltes Papier zu projizieren und diese Projektion wiederum zu fotografieren. Dabei entstehen bedeutungshaltige Bildobjekte die dem digitalen, algorithmisch vermittelten Informationsstrom entrissen sind. An dieser Stelle wurde zum anderen der Aspekt sichtbar, dass eine eigene Entscheidung in der Lage ist, die digitale Kommunikation von Daten zu durchschneiden, sich quer dazu zustellen und sich somit vom Computer als Medium, wie als Werkzeug, das unsere Urteilskraft ersetzen soll, zu distanzieren.

Daraus abgeleitet kam die Frage auf, ob der willkürliche Eingriff des Künstlers in den digitalen Verrechnungsprozess messbar ist und selbst wieder als Datum dem digitalen Datenstrom einzuverleiben sei. Die Frage blieb offen.

Durch die Unterscheidung von Information und Bedeutung kam die Frage auf nach der Informationsfreiheit. Was bedeutet Information? Ist sie lediglich Teil einer Kommunikation der Rechner untereinander, sind wir damit nur bloß Material von Messung und Verdatung? Oder haben solche digitalen Informationen auch einen Wert für uns? Ist dieser ‚Wert‘ gleichzusetzen mit dem, was wir unter ‚Bedeutung‘ verstehen? Und entfaltet sich Bedeutung erst außerhalb der digitalen Datenströme?

Schließlich wurde diskutiert, dass die permanente Aktualisierung von Daten so etwas wie Geschichte zum Verschwinden bringt. Permanent aktualisierte und uminterpretierte Daten machen in ihrer jeweiligen Aktualität ihre Veränderung, ihre Differenz zum vorherigen Datenstand unsichtbar und gaukeln damit ein ewiges Jetzt vor, das scheinbar niemals anders war und niemals anders sein wird. Als klassisches Beispiel wurden die ersten Starwars-Filme genannt, die nur digital überabreitet im Netz verbreitet vorliegen und keiner mehr eine Erinnerung habe an die Originale.

Das Gespräch endete mit der Diskussion, dass Dauerhaftigkeit der Information eigentlich nur mit analogen Mitteln zu erreichen sei.

Protokoll Treppengespräch mit Daniel Glaser – kounterpart

Treppengespräch: Vorabtreffen mit Daniel Glaser – kounterpart

10918677_769938229740894_429216874_oZur Vorbereitung des kommenden Treppengesprächs am Freitag, den 09.01., um 20:00 im complex23 haben Daniel und ich uns gestern Abend getroffen. Wir hatte eine ausführliche und sehr inspirierende Diskussion. Zunächst ging es über Daniels Buch sender-[interference]-receiver, das den Hauptanlass der gleichnamigen Ausstellung im complex23 stellt. Im Treppengespräch wird es also zunächst um die Methoden gehen, mit denen Daniel seine Text-Bilder komponiert.

Wir sprachen auch über die Unterschiede von der Auffassung des Computers einerseits als schöpferisches tool zur Herstellung von Musik, Texten und Bildern, die ihre Botschaft in den Köpfen der Menschen entfalten, und andererseits als Medium, das sich selbst seine eigene Botschaft ist. Ist das Medium – Computer – selbst Botschaft? Oder kann der Künstler durch entschiedenes Eingreifen in den Arbeitsprozess eine Botschaft über das Medium hinaus erreichen? Kann der Betrachter durch seine Wahrnehmungen und Intuitionen seine eigene Botschaft jenseits des Mediums generieren? Ist die Botschaft eine Information? Oder vielmehr ein komplexes Geschehen von Vorstellen, Assoziieren, Fragen und Nachdenken, das als Information gar nicht beschreibbar ist? Weiterhin diskutierten wir allgemeiner über den Einfluss des Computers heute, seine Fähigkeit, durch algorithmische berechnete Zusammenführung der verschiedensten Daten-Eingaben beim Suchen, beim Einkaufen, beim Chatten, gesellschaftliche Normalität für uns zu bestimmen. Und schließlich kamen wir zu der Frage, ob es bei der ‚Informationsfreiheit‘ der globalen Vernetzung um die Freiheit der Information geht, sich ungehindert frei zu verbreiten, oder um die Freiheit des Menschen, sich über den freien Zugang zur Information, ein eigenes Urteil außerhalb der Vernetzung zu fällen?
Wir sind also gut vorbereitet auf den kommenden Freitag und würden uns freuen, wenn Ihr am Treppengespräch teilnehmen und es durch Euer Interesse bereichern, erweitern oder in eine ganz andere Richtung lenken wollt. 😉

Treppengespräch: Vorabtreffen mit Daniel Glaser – kounterpart